Karpfenrolle: Test & Vergleich 09/2021

Seit langen Zeiten gehört der Karpfen zu den beliebtesten Zielfischen von Sportanglern. Kein Wunder, denn ein Karpfen kann ein unglaubliches Gewicht erreichen und ist proportional zu seiner Größe und dem Gewicht einer der kampfstärksten Fische überhaupt.

Dementsprechend haben es sich auch viele heimische Angler zum Ziel gesetzt, einen kapitalen Karpfen zu überlisten. Doch dies ist bei Weitem nicht so einfach wie es klingt. Denn die Karpfen sind sehr vorsichtige Fische. Insbesondere in Gewässern, in welchen viel geangelt wird, kann es oft viele Stunden oder sogar Tage dauern, bis ein Karpfen anbeißt. Dies ist der Moment, wo sich die eigene Geduld endlich ausgezahlt hat und anschließend auch die Technik gefordert ist.

Neben einer stabilen Karpfenrute ist hier vor allem eine zuverlässige Karpfenrolle erforderlich. In unserem Ratgeber zeigen wir dir, welche unterschiedlichen Karpfenrollen es gibt und auf welche Kriterien du beim Kauf achten solltest.

Welcher Rollen-Typ eignet sich überhaupt als Karpfenrolle?

Die rasante technische Weiterentwicklung macht auch vor dem Angelsport nicht halt. Inzwischen gibt es Dutzende unterschiedliche Varianten von Angelruten, Schnüren, aber auch Rollen. Einige dieser Typen können von vornherein für die Nutzung als Karpfenrolle ausgeschlossen werden.

Dazu gehören Fliegenrollen (diese sind ausschließlich beim Fliegenfischen von Nöten) oder Eisfischrollen (diese sind für die kleinen, aber stabilen Eisangel-Ruten nötig). Hinzu kommen jene Rollen, welche du vor allem für das Spinnfischen verwenden kannst.

Diese sind meist sehr leicht und könnten prinzipiell auch als Karpfenrollen genutzt werden, es gibt jedoch bessere Alternativen. Du kannst auch eine Multirolle verwenden, doch die Anwendung beim Karpfenangeln erfordert einige Umstellung und viel Übung.

Viele Angelprofis nutzen aufgrund der hohen Schnurkapazität Brandungsrollen, auch wenn diese eigentlich für das Fischen am Meer gedacht sind. Diese sind sehr gut für weite Würfe geeignet und verfügen auch über eine gute Bremskraft, sind dafür jedoch erheblich schwerer und die Übersetzung der Rolle ist nicht so gut wie bei den etwas kleineren Freilaufrollen.

Die beste Empfehlung für Karpfenrollen ist eine Stationärrolle. Dies sind die in Mitteleuropa am weitesten verbreiteten Rollen. Sie können über ein Freilaufsystem verfügen. Diese Rollen sind auch unter der Bezeichnung Freilaufrolle bekannt. Dieses Freilaufsystem ist beim Karpfenangeln besonders nützlich.

Denn hier kannst du mit einem Schalter festlegen, ob Schnur ohne Widerstand von der Rolle gezogen werden kann oder nicht. Damit kann der Karpfen nicht feststellen, ob mit dem Köder etwas faul ist oder nicht. Nimmt der Fisch zügig Schnur von der Rolle, kannst du den Schalter umlegen und so sofort auf Spannung den Anschlag setzen.

Auf diese Punkte solltest du beim Kauf von Karpfenrollen achten

Auch wenn die Entscheidung für eine Freilaufrolle bereits gefallen ist, können viele unterschiedliche Faktoren die Qualität von Karpfenrollen beeinflussen.

Im folgenden Abschnitt führen wir diese Punkte einzeln auf und erläutern, warum diese derartig von Bedeutung sind und wie man im jeweiligen Bereich eine gute Karpfenrolle erkennen kann.

Die Rollengröße, bzw. die Schnurkapazität

Da Karpfen sehr scheue und vorsichtige Fische sind, haben sie sich in den meisten stark befischten Gewässern in schwer zugängliche Regionen zurückgezogen. Vor allem die kapitalen Karpfen leben häufig in einem Revier, welches 150 bis 200 Meter von dem am nächsten gelegenen Angelplatz entfernt sind.

Berücksichtigt man, dass ein großer Karpfen nach dem Biss ohne Probleme Dutzende Meter Schnur von der Rolle ziehen kann, bevor eine erste Verlangsamung eintritt, muss eine gute Karpfenrute mindestens Kapazität für 300 Meter Schnur aufweisen. Als Richtwert wird hier meist eine Schnurstärke von 0,33 herangezogen, mit welcher die meisten Karpfenangler arbeiten.

Viele Angelrollen werden jedoch in ihrer Rollengröße angegeben, woraus sich nicht sofort erkennen lässt, wie viele Meter Schnur diese fassen. Entsprechend der beschriebenen erwünschten Kapazität sind für das Karpfenangeln Rollen mit einer Rollengröße von 4000 bis 6000 oder mehr sehr gut geeignet.

Kleinere Stationärrollen sind für das Fischen auf große Karpfen eher schlechter geeignet, können aber je nach Gewässer dennoch eine Alternative darstellen.

Die Größe des Schnureinzugs und das Übersetzungsverhältnis der Karpfenrollen

Im Drill mit einem Karpfen ist es wichtig, dass du sofort auf seine Bewegungen reagieren kannst und in den Ruhephasen des Fisches möglichst viel Schnur einholen schaffst.

Je mehr Meter du in diesen Pausen gewinnst, umso kürzer und weniger anstrengend wird der gesamte Kampf. Die eingeholte Schnur steht hierbei im direkten Verhältnis zur Qualität deiner Karpfenrolle.

Je größer der Schnureinzug ist, umso mehr Schnur wird mit einer Umdrehung der Spule eingeholt. Das heißt, dass größere Spulen nicht nur mehr Schnur fassen, sondern diese auch schneller einkurbeln können. Doch dies ist nicht der einzige Faktor, welchen du berücksichtigen solltest.

Denn auch das Übersetzungsverhältnis der Rolle ist entscheidend. Je höher dieses Verhältnis ist, umso mehr Schnur wird pro Kurbeldrehung eingeholt. Eine gute Karpfenrolle sollte eine Übersetzung von mindestens 4:1 aufweisen. 

Das heißt, dass bei einer vollständigen Kurbelbewegung die Spule der Rolle vier vollständige Umdrehungen absolviert. Die meisten gängigen Karpfenrollen weisen sogar ein Verhältnis von 5:1 oder noch mehr auf. In Kombination mit einem großen Schnureinzug kann dies dazu führen, dass du binnen weniger Sekunden unzählige Meter Schnur einholen kannst.

Die Bremse der Karpfenrolle

Egal ob die Rolle über Vorder- oder Rückbremse verfügt: Wichtig ist, dass die Bremskraft ausreichend groß ist, um auch den stärksten Karpfen verlangsamen zu können. Dieser Punkt trifft normalerweise auf alle gängigen Karpfenrollen zu. Doch dies ist nicht der einzige Faktor, welcher eine gute Bremse auszeichnet.

Es ist wichtig, dass die Bremse die Schnurentnahme tatsächlich nur erschwert und damit verlangsamt und nicht kurzfristig gänzlich stoppt. Denn ein solcher ruckartiger Stopp kann dazu führen, dass der Haken das weiche Maul des Karpfens aufschlitzt und dieser dadurch entkommt.

Ähnlich verhält es sich mit den unterschiedlichen Härtegraden der Bremse. Die beste Option ist, wenn diese fließend eingestellt werden können. Denn so ist ein sanfter Übergang möglich. Verfügt die Rolle hingegen über fix eingestellte Härtegrade, kann beim Wechsel ein harter Sprung entstehen, welcher ebenfalls den Verlust des Fisches zur Folge haben kann.

Schnurfangbügel und Schnurlaufröllchen

Diese beiden Komponenten werden beim Kauf einer Karpfenrolle häufig vernachlässigt, da sie nicht unmittelbar zum Erfolg während des Drills
beitragen. Dennoch sind diese für die Funktionsweise der Rolle wichtig und sollten ebenfalls in guter Qualität ausgeführt sein.

Der Schnurfangbügel sollte stabil sein und beim Aufklappen fest einrasten. Nichts ist ärgerlicher als ein Einschnappen des Bügels während
des Auswurfes. Häufig sind dabei schon Ruten zu Bruch gegangen oder die Schnur ist gerissen.

Das Schnurlaufröllchen ist jener kleine Teil, welcher beim Einholen der Schnur diese auf die Rolle dirigiert. Häufig sind diese mit einem
Kugellager versehen, um die Schnur länger vor Drall zu schützen.

Das verarbeitete Material

Es würde zu weit führen, all die einzelnen Komponenten einer Angelrolle aufzuführen und zu erwähnen, aus welchem Material diese gefertigt sein können. Es sind jedoch zwei Komponenten zu erwähnen, bei welchen sich minderwertiges Material sehr negativ auswirken kann.

Der Rollenfuß ist jener Teil, mit welchem die Karpfenrolle an der Angelrute montiert wird. Meist ist dieser aus leichtem Metall gefertigt. Billigere Angelrollen besitzen jedoch auch häufig einen Rollenfuß aus Kunststoff. Dies solltest du auf jeden Fall vermeiden, da sich dieses Material sehr leicht verbiegen oder sogar brechen kann.

Der Kopf der Spule wird ebenfalls häufig aus billigem Material hergestellt. Ist der Kopf hingegen aus Aluminium oder Grafit gefertigt, kann eine gute Qualität gewährleistet werden. Zusätzlich solltest du darauf achten, dass die Abwurfkante glatt und unbeschädigt ist. Eine raue Kante kann zum Riss der Schnur führen.

Der Freilauf

Wir haben bereits auf die Bedeutung der Freilauffunktion bei Karpfenrollen hingewiesen. Dennoch gibt es viele Angler, welche auf Rollen ohne Freilauffunktion schwören. Dies hat den einfachen Grund, dass eine Rolle ohne Freilauf über ein Einzelteil weniger verfügt, welche kaputt gehen könnte. Ein kaputter Freilauf kann im Extremfall erhebliche Folgen mit sich führen:

  • Blockiert der Freilauf, kann es dazu kommen, dass ein Fisch beim Biss die Angelrute mit sich reißt.
  • Hat der Freilaufschalter eine Fehlfunktion, kann dieser während des Drills aktiviert werden, sodass die Schnur nicht mehr eingeholt werden kann.

Wir wollen jedoch darauf hinweisen, dass solche Fehlfunktionen äußerst selten sind und daher in unsren Augen die Möglichkeiten, welcher ein Freilauf mit sich ringt, eindeutig den nur sehr selten eintretenden Nachteil überwiegen.

Der Preis einer Karpfenrolle

Natürlich ist auch der Preis einer Angelrolle immer ein wichtiges Kaufkriterium. Dieser hängt von allen erwähnten Faktoren einer Rolle ab, kann jedoch auch von Marke zu Marke stark unterschiedlich ausfallen. Die billigsten Karpfenrollen kannst du bereits um in etwa 30 Euro erwerben.

Diese erfüllen jedoch meist nicht jenen Anforderungen, welche an eine gute Rolle gestellt werden. Besser sieht es in der Kategorie zwischen 50 und 150 Euro aus. Hier können die meisten angebotenen Rollen als gut geeignet angesehen werden. Eine Karpfenrolle für 200 Euro oder mehr ist nur in den seltensten Fällen nötig und wir vermutlich nur von Angelprofis in den schwierigsten Gewässern auf der Jagd nach den größten Karpfen verwendet.

Fazit

Eine gute Karpfenrolle sollte nicht nur aus qualitativ hochwertigem Material gefertigt sein, sondern auch über eine gute Übersetzung und eine ausreichende Größe verfügen. Die Bremse ist am besten stufenlos einstellbar. Außerdem ist der zuschaltbare Freilauf eine sehr gute Option, um das Angeln auf Karpfen einfacher und sicherer zu machen.

Wie genau deine Entscheidungen in den einzelnen Kategorien ausfallen, hängt jedoch auch stark davon ab, in welchem Gewässer du bevorzugt fischen wirst. Kannst du die Reviere der Karpfen auch auf kurze Distanz erreichen, ist eine kleinere Rolle ebenso gut wie eine größere.

Kommen in dem Gewässer nur kleinere Fische vor, ist ebenfalls eine kleinere Rolle mit schlechterer Übersetzung eine gute Wahl. Hast du jedoch vor, gezielt auf kapitale Karpfen zu angeln, solltest du doch etwas mehr Geld in die Hand nehmen und eine ausgezeichnete Karpfenrolle mit entsprechender Qualität kaufen.