Kletterschuhe: Test, Vergleich & Empfehlung 07/2021

Schon kleine Kinder lieben es zu klettern, und einen vorbildlicheren Sport findet man kaum! Wer klettert, der trainiert so gut wie alle Muskelbereiche - das ideale Ganzkörper-Workout.

Die 4 besten Kletterschuhe

Was steckt hinter dem Klettersport?

In den letzten 20 Jahren hat sich dieses ehemals den extremen Alpin-Sportlern vorbehaltene ‚Hobby‘ zum Breitensport für Klein und Groß entwickelt. Heute "bouldert" man in speziellen Hallen, was bedeutet, dass man in Absprunghöhe und ohne Seil klettert. Auch Experten trainieren so gerne besondere Tritt- und Griffkombinationen.

Sportkletterer trifft man an Felswänden oder in Kletterhallen und -Gärten an. Neben den Kletterschuhen benötigt man dabei auch Seile, Karabiner und einen Helm.

Alpines Klettern findet vor beeindruckenden Bergkulissen statt, eine Aktivität die vorwiegend erfahrenen Sportlern vorbehalten ist. Ausführliche Routenplanung, gute meteorologische Bedingungen und ein erprobtes Team sind hier Grundvoraussetzung zum Klettern.

Beim Klettern arbeitet man mit dem individuellen Körpergewicht, das Gefühl für den eigenen Körper wird gefördert, gleichzeitig trainiert man auch Gleichgewicht und besonders die Koordination. Im Gegensatz zum eher einseitigen Gewichtetraining im Fitnessstudio aktiviert Klettern ganze Muskelstränge und baut sie auf. Besonders die Rücken- und Bauchmuskelpartien werden gestärkt, was langfristig gesehen Verletzungen am Bewegungsapparat vorbeugt.

Was benötigt man zum Klettern?

Natürlich will auch gesundes Klettern gelernt sein. In Einführungskursen erlernt man die ersten Grundlagen zu Sicherheit sowie Klettertechnik. Des Weiteren erhält man Informationen zur richtigen Ausrüstung im Allgemeinen, den richtigen Kletterschuhen im Speziellen.

Neben dem Magnesiabeutel gegen verschwitze Finger sind Kletterschuhe das wichtigste Equipment. Vorab sollte man sich entscheiden, ob man bevorzugt Indoor klettert, also in einer Boulderhalle, oder sich lieber draußen in der Natur aufhält.

Welche Kletterschuhmodelle gibt es?

Je nach Einsatzzweck gibt es spezielle Schuhe zum Bouldern oder Sportklettern. Außerdem unterscheidet man zwischen Anfängern, Fortgeschrittenen oder Experten.

Es gibt symmetrische und asymmetrische Kletterschuhe. Bei Ersteren richten sich die Zehen wie bei normalen Schuhen mittig aus, beim asymmetrischen Modell dreht sich der Fuß nach innen, die Zehen richten sich alle zum großen Zeh hin aus.

Diese Form ist recht unbequem und man findet sie fast ausschließlich beim Expertenschuh. Die Kraft wird bei diesem Schuh auf einen sehr kleinen Punkt konzentriert.

Worauf sollte ein Anfänger achten?

Für Anfänger eignen sich am besten symmetrisch geformte Kletterschuhe, ohne oder mit sehr wenig Vorspannung und unterstützender Sohle.

Ein Anfänger ist mit neutralen Schuhen gut beraten, so kann er erste Kletterversuche in den unterschiedlichen Disziplinen vornehmen. Wer sich direkt fürs Bouldern entscheidet, der sollte eine weichere Sohle, die nicht zu stark unterstützt bevorzugen.

Wichtige Begriffe zum Thema Kletterschuhe

Vorspannung

Kletterschuhe zeichnen sich durch ihre stark gekrümmte Form aus. Je stärker der gummierte Bereich um die Ferse gespannt ist, umso höher ist die Vorspannung. Die Kraft wird so ganz besonders im Vorderfuß gebündelt. Stark vorgespannte Kletterschuhe sind sehr unnachgiebig und wenig elastisch.

Downturn

Hierbei handelt es sich um die Krümmung der Sohle im Zehenbereich der Kletterschuhe. Diese Einwölbung erleichtert dem Kletterer zum einen das Stehen auf besonders kleinen Tritten und zum anderen kann man sich so über die Zehenspitzen noch näher an die Wand heranziehen.

Eine Sohle mit Downturn findet man daher überwiegend bei Expertenschuhen und sie ist für Einsteigerfüße extrem gewöhnungsbedürftig.

Schnürung, Klettverschluss, Slipper

Bei der Wahl des Verschlusses der Kletterschuhe ist der eigene Geschmack entscheidend. Wer gerne bindet, der tendiert eher zum Schnürmodell. Ebenso wie viele Experten, da sich der Schuh dank Schnürverschluss extrem fest an den Fuß fixieren lässt.

Slipper sind schnell übergezogen, lassen sich danach aber nicht mehr enger stellen und neigen früher zum Ausleiern. Kletterschuhe mit Klettverschluss sind einfach überzustreifen und eine Anpassung ist jederzeit auch während des Kletterns möglich.

Unterstützende, harte oder weiche, flexible Sohlen

Je härter die Sohle, umso mehr Unterstützung bietet sie. Wer überwiegend vertikal klettert oder viele kleine Tritte bezwingt, der ist mit Kletterschuhen mit härterer Sohle gut beraten, denn so hält man das Gewicht auch auf einem kleinsten Teil des Fußes.
Für präzisere Tritte erfahrener Kletterer an überhängenden Wänden empfehlen sich wiederum Kletterschuhe mit einer weichen, sensiblen Sohle.

Hook

Spezielle Fußtechnik des Klettersports. Bedeutet so viel wie greifen oder haken.

Toehook

Darunter versteht man den Einsatz der Oberseite des Zehenbereichs oder des Fußrückens. Bei Kletterschuhen ist dafür häufig ein spezieller Gummi-Aufsatz im oberen Zehenbereich angebracht.

Heelhook

Beim Heelhook hält man sich mit der Ferse an der Felskante oder einem Tritt fest, um den Arm oder eine Hand zu entlasten. Daher muss die Gummierung an der Ferse besonders rutschfest sein und eng am Fuß anliegen.

Die richtige Größe finden

Zunächst sollte man wissen, ob man zur normalen Fußform neigt oder eher einen breiten bzw. schmalen Fuß hat. Auf dem Markt gibt es nämlich Modelle, die sich besonders für einen schmalen Fuß, den sogenannten "egytian foot", eignen, aber auch Modelle, die vorrangig für den "greek foot", den breiten Fuß konzipiert sind.

Des Weiteren ist es sinnvoll, Kletterschuhe ein bis zwei Nummern kleiner als seine gewöhnlichen Straßenschuhe zu kaufen. Sie dürfen nicht zu eng sitzen, aber an den Füßen natürlich auch nicht schmerzen.

Ebenso spielt die gewählte Kletterrichtung eine Rolle, denn je weicher die Sohle, umso enger muss der Schuh sitzen, damit die Unterstützung im Fuß noch ausreichend ist. Die richtige Größe und Passform hat man gefunden, wenn der Schuh den Fuß eng umschließt, ohne dass ein Hohlraum entsteht oder sich Druckstellen bilden.

Welches Material empfiehlt sich für Kletterschuhe?

Die meisten Kletterschuhe sind aus Leder oder Kunststoff gefertigt. Beide Materialien haben ihre Vor- und Nachteile. Leder – weitet sich schneller; passt sich andererseits besser an; auf lange Sicht oft angenehmer am Fuß
Kunststoff – formstabiler; nutzt sich weniger ab; vermehrte Geruchsentwicklung

Abfärbende Schuhe stehen übrigens nicht für einen Qualitätsmangel, sondern unterstreichen, dass die Hersteller auf den Einsatz von Farb- und Klebstoffen mit schädlichen Substanzen verzichtet haben. Da Kletterschuhe direkt auf der Haut sitzen, vermeiden die meisten Produzenten bewusst Produkte mit schädlichem Einfluss.

Gibt es spezielle Damen- und Herrenschuhe? Und extra Kindermodelle?

Ja, es gibt mittlerweile unterschiedliche Kletterschuhe auf dem Markt. Damenmodelle zeichnen sich durch eine insgesamt weichere Struktur aus, sie sind meistens etwas schmaler geschnitten und bieten am Rist mehr Platz.

Ein Damenmodell kann sich durchaus aber auch als richtige Auswahl für einen Mann erweisen, wenn er über eine schmale Fußform verfügt. Und umgedreht wird sich eine Frau mit breitem Fuß unter Umständen in einem Herrenmodell wohler fühlen.

Farbdesign und Größenauswahl spielen zusätzlich eine Rolle, wenn auch nur nebensächlich. Bei Kletterschuhen für Kinder ist die Wachstumsphase zu berücksichtigen. Besonders sensible, anpassungsfähige Modelle speziell für Kinder findet man in jedem guten Fachgeschäft.

Die richtige Pflege ist wichtig

Kletterschuhe sitzen eng und fest am Fuß und man trägt sie zudem in der Regel ohne Socken. Schweiß- und Geruchsbildung sowie Bakterien setzen Kletterschuhen schnell zu. Daher ist gründliches Trocknen direkt nach dem Gebrauch unumgänglich.

Trocknen an der frischen Luft oder durch Ausstopfen der Schuhe mit Zeitungspapier entzieht den Bakterien ihren Nährboden. Schon während der Aktivität empfiehlt sich regelmäßiges Lüften oder gar Ausziehen der Schuhe. Nach dem Gebrauch sollte man sie auf keinen Fall direkt im geschlossenen Rucksack verstauen.

Fangen sie mit der Zeit doch an zu müffeln, reicht eine gründliche Reinigung mit lauwarmem Wasser und Seife meistens schon aus. Wer vorsorglich etwas Natronpulver im Schuh verteilt, der wendet die Bakterienentwicklung ab bzw. beugt ihr vor. Unter keinen Umständen wäscht man seine Kletterschuhe in der Waschmaschine.

Ebenso wenig sollte man sie unnötig direkter Sonneneinstrahlung oder hohen Temperaturen aussetzen. Das fördert ungewünschte Verformungen und gummierte Sohlen werden vorzeitig spröde.

Kletterschuhe Test

Kletterschuhe für Anfänger kosten fast nur die Hälfte im Vergleich zu Expertenschuhen. Die dickere Sohle macht sie etwas langlebiger, aber kein Kletterschuh hält ewig. Preislich liegen Kletterschuhe für Anfänger etwa bei 30-50,- Euro, in der Mittelklasse kann ein Paar schon mal bis zu 100,- Euro kosten und Modelle für Experten der Oberklasse bewegen sich in der Regel zwischen 100€-200€.

Zeit für neue Kletterschuhe?

Wie lange die Kletterschuhe leben, hängt natürlich in erster Linie vom Einsatz und der Pflege ab. Anfängerschuhe mit wesentlich dickeren Sohlen und viel Gummi halten in der Regel auch länger als Kletterschuhe eines alpinen Profis.

Die Sohle nutzt sich bei Kletterschuhen am schnellsten ab, lässt sich aber durchaus ein- bis zweimal reparieren. Eine Besohlung kostet im Schnitt 30-40,- Euro und verlängert die Lebensdauer beträchtlich.

Eine günstige Alternative, die dem Kletterer noch viele unbeschwerte Stunden bescheren wird. Allerdings sollte man damit nicht zu lange warten. Sind die Löcher bereits zu groß, ist dem Schuh unter Umständen nicht mehr zu helfen.

Wenn aber die Form und auch die Spannung der Kletterschuhe nachlassen, ist der Moment für eine Neuanschaffung gekommen. Wer vorhat, überwiegend bouldern zu gehen, dem sei zumindest für die Anfangszeit der Verleih von Kletterschuhen ans Herz gelegt.

Fazit

Ein toller Sport, den wirklich jeder lernen kann. Für erste Versuche eignen sich meist noch normale Turnschuhe. Steigt die Begeisterung für diesen Sport jedoch, sollte man sich definitiv für den Kauf einer eigenen Ausrüstung und eigener Kletterschuhe entscheiden.

Wichtig beim Kauf sind eine ausführliche Beratung sowie ausreichend Zeit für die Anprobe der Schuhe. Da unsere Füße sich generell im Laufe des Tages um etwa eine halbe Schuhgröße weiten, sollten Sportler, die vorzugsweise am Nachmittag klettern gehen, die Anprobe möglichst auch auf diesen Zeitraum legen.

Ein Anfänger fühlt sich in bequemen Kletterschuhen am wohlsten. Wer beim Klettern leidet, der verliert den Spaß daran und sagt dem Sport schnell Lebewohl.

Daher sind die richtige Schuhwahl und eine gute Fußpflege besonders wichtig. Wer das berücksichtigt, der geht schnell in diesem abwechslungsreichen Sport auf und überlegt sich nach dem Ende des Trainings schon die Route und die besten Tritte für die nächste Runde.